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Sonntag, 24. Dezember 2006

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Die Namenspatronin der Wilhelmshavener Agnes-Miegel-Schule ist die namhafte Dichterin Agnes Miegel. Sie wurde am 9. 3. 1879 in Königsberg/Pr. als Tochter eines angesehenen Kaufmanns geboren und entstammte einer alteingesessenen ostpreußischen Familie.

Nach der Schulzeit in ihrer Vaterstadt verlebte sie von 1894 bis 1895 eine unbeschwerte, sie vielseitig bereichernde Zeit in einem Mädchenpensionat in dem kunstfreudigen Weimar. Nach ihrer Konfirmation in Königsberg strebte sie in Berlin den Beruf einer Kinderkrankenschwester an, mußte die Ausübung dieses Berufes nach bestandenem Examen jedoch aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, ebenso die später in Berlin begonnene Ausbildung zur Lehrerin. Selber noch nicht vollständig gesundet, wurde sie aus ihrer Genesungszeit in München nach Königsberg zurückgerufen, um die Pflege ihrer schwer erkrankten Mutter zu übernehmen und dem Vater den Haushalt zu führen. Trotz aller familiären Belastungen gelang es Agnes Miegel, Auslandsreisen zu unternehmen und sich bei ausgedehnten Aufenthalten in Frankreich, England und Italien weiterzubilden. Seit 1909 führten sie Vortrags- und Lesereisen durch ganz Deutschland.

Agnes Miegel verfügte über eine ungewöhnlich große dichterische Begabung. Im Jahre 1901 wurden ihre ersten Gedichte veröffentlicht. Besondere Aufmerksamkeit bei der Fachwelt und bei einer breiten Leserschaft erregten neben lyrischen Gedichten ihre Balladen, die sich sogleich nach ihrem Erscheinen durch meisterliche Beherrschung der Form und Sprache auszeichneten. Die Dichterin fand zunehmend zu einem eigenen Stil, persönlicher Ausdrucksfähigkeit und überraschend farbiger Fülle des Wortes.

Als sie in den zwanziger Jahren als Redakteurin an einer Königsberger Zeitung arbeitete, wandte sie sich auch der erzählenden Dichtung zu und schuf im Bereich der Prosa gleichfalls bedeutende Erzählungen und Novellen. Agnes Miegel schöpfte oft aus der Natur, der Landschaft und der Geschichte ihrer Heimat Ostpreußen, doch ihre Dichtungen gehen - auch thematisch - weit darüber hinaus und sind in vielen europäischen Kulturbereichen angesiedelt. 1924 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Königsberger Universität verliehen. Daneben erhielt sie mehrere Literaturpreise, 1911 bereits den Literaturpreis des Schillerbundes.

Als zu Ende des letzten Krieges russische Truppen vor Königsberg standen, mußte sie am 27. Februar 1945 die Stadt und ihre Heimat verlassen. Ihre Flucht führte sie über die Ostsee nach Dänemark, wo sie bis zum Oktober 1946 in einem Flüchtlingslager ausharren mußte, ehe sie nach Deutschland ausreisen durfte, wo sie in Niedersachsen Aufnahme fand. Von 1948 an lebte sie in Bad Nenndorf, wo sie die siebenbändige Gesamtausgabe ihrer Werke erarbeiten und weitere Dichtungen herausgeben konnte. Agnes Miegel starb im Alter von 85 Jahren am 26. Oktober 1964 in Bad Salzuflen. Sie ruht auf dem Bergfriedhof der Gemeinde Bad Nenndorf, deren Ehrenbürgerin sie war.  

Text: Inge Hartmann


Ein ausführliches Lebensbild der Schriftstellerin mit ist in dem Buch von Anni Piorreck - Agnes Miegel - Ihr Leben und ihre Dichtung  vom Eugen Diederichs Verlag  dargelegt. 

"Ich bin sehr schwer zu fassen." Dieser Kommentar Agnes Miegels anlässlich ihres 60. Geburtstages kennzeichnet die schwierige Aufgabe eine angemessene Biografie mit den entsprechenden Höhen und Tiefen zu verfassen.