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Warum die Schule einen anderen Namen bekommt … PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 20. Mai 2010

Die Agnes-Miegel-Schule wurde gegründet im historischen Kontext der Stadtentwicklung des Stadtteils Fedderwardergroden von Wilhelmshaven. Dort erinnert vieles die ehemaligen deutschen Ostgebiete – insbesondere an Ostpreußen. Abzulesen ist dies an Straßennamen ebenso wie an den Namen der Schulen, die sich in diesem Teil Wilhelmshavens befinden, wie beispielsweise die Realschule Agnes-Miegel-Schule sowie die Hauptschule Nogatstraße. 

Mit Agnes Miegel wurde eine aus Ostpreußen stammende Namenspatronin gewählt, deren lyrischer Rang in der deutschen Literatur als herausragend galt und die als Person – zu Zeiten der Namensgebung der Schule Ende der 50er Jahre – unumstritten war. 

Diese Einschätzung hat sich im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte verändert. Unsägliche, glorifizierende Oden auf Adolf Hitler aus der Feder Agnes Miegels sind mehr und mehr in den Blick genommen worden und haben Schatten auf das Gesamtwerk der Dichterin geworfen. Agnes Miegel hat auch Jahre nach Ende der Naziherrschaft nicht die Notwendigkeit gesehen, vielleicht auch nicht die Kraft gefunden, diese Entgleisungen zu revidieren und die damit verbundenen Verfehlungen zu entschuldigen. Klarzustellen bleibt aber auch: Agnes Miegel auf die genannten Verfehlungen zu reduzieren, wird ihrer Person sowie ihrem Schaffen in keiner Weise gerecht. 

Unsere Schule steht für Offenheit, Toleranz, für Verständigung und Versöhnung. Sie bekennt sich klar zu den Werten von Freiheit und Demokratie. Sie bezieht eindeutig und vernehmbar Stellung gegen jedwede Art von neonazistischen und rechtsradikalem Gedankengut. Beispielhaft sei in diesem Zusammenhang die enge Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge genannt, in deren Rahmen Projekte zur Friedenserziehung und die Patenschaft für die Pflege des städtischen Ehrenfriedhofs wiederkehrende Elemente der erzieherischen Arbeit darstellen. 

Mit Blick auf das Leitbild unserer Schule ist Agnes Miegel als Namenspatronin nicht mehr darstell- und vermittelbar; dies gilt für Schülerinnen und Schüler, für Eltern und Lehrkräfte in gleicher Weise. Darüber hinaus hat die Diskussion um den Schulnamen innerhalb wie außerhalb Wilhelmshavens eine Beschäftigung mit der nach wie vor vorzeigenswerten pädagogischen Arbeit in unangemessener Art und Weise in den Hintergrund gerückt. 

Nachdem 2009 das 50jährige Schuljubiläum begangen wurde, kann nunmehr diese Epoche abgeschlossen betrachtet werden. Die an einer würdigeren Namenspatronin ausgerichtete Neuorientierung soll dieses deutlich machen. Die Meinungsbildung in den Gremien der Schule hat ihre Zeit gebraucht und ist mit eindeutigen Voten abgeschlossen worden: Schüler, Eltern und Lehrer wollen, dass die Schule den bisherigen Namen ablegt und mit einem neuen in das nächste Schuljahr startet. Mit dem klaren Ratsbeschluss vom Mai d. J. folgt der Rat der Stadt Wilhelmshaven diesem Wunsch. 

Marion Gräfin Dönhoff steht mit ihrem Lebenswerk wie kaum eine andere für Verständigung und Aussöhnung, für Toleranz und Demokratie, für die Freiheit des Denkens und des Wortes. Auch sie stammt aus Ostpreußen, fügt sich also ein in den erwähnten historischen Kontext. Auch sie ist eine Frau von hohem literarischen Rang – und: sie ist eine Frau, die Emanzipation in einer Zeit vorgelebt hat, als diese eher ein kaum wahrnehmbares Thema in der gesellschaftspolitischen Diskussion war. 

Kinder und Jugendliche brauchen Menschen, die mit ihrem Leben und Wirken Beispiel für die eigenen Lebenswege sein können. Genau an Stelle dieser müssen Schulen den Schülerinnen und Schülern Orientierung geben. Dabei brauchen sie keine Säulenheiligen, sondern Vorbilder.

 

Für unsere Schule soll Marion Gräfin Dönhoff Vorbild sein.

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